Pink Floyd flashen 60.000 im Niedersachsenstadion, Hannover, 25.6.1988

Von Thomas Pankow
Nachdem ich aus der Zeitung erfuhr, dass Anfang Februar 1988 der Vorverkauf für das Pink Floyd Konzert in Hannover starten sollte, wurde ich doch zunehmend nervös. Aus der Presse konnte man vernehmen, dass die bisherigen Konzerte oft sehr schnell ausverkauft waren. Und nach mehr als sechs langen Jahren des Wartens auf ein Konzert meiner Lieblingsgruppe wollte ich mir diese Chance nicht entgehen lassen. Das Glück war letztlich auf meiner Seite. Am Tag des besagten Vorverkaufsstart stand ich in unserer Verkaufsstelle und konnte drei Eintrittskarten für meine Schwester, ihren damaligen Freund und mich problemlos kaufen. Das Warten auf den großen Tag begann. Damals war ich gerade im 2. Lehrjahr zur Krankenpflegeausbildung. Das hieß, dass ich jedes zweite Wochenende in Krankenhaus arbeiten musste. Aber auch hier stand Fortuna mir bei und bescherte mir für dieses Jahr meinen Sommerurlaub just in dieser Zeit.
Natürlich hatte ich schon das neue Album rauf und runter gehört und war somit mit den neuen Songs bestens vertraut. Ich war sehr gespannt auf die Liveversionen des Albums, aber auch bot sich mir hier erstmals die Gelegenheit überhaupt Pink Floyd Songs jenseits des Wall-Albums live zu hören – und zu sehen!
Endlich war der besagte Samstag gekommen. Das am Konzerttag stattfindende Endspiel der Fußball-Europameisterschaft geriet dabei völlig in den Hintergrund. Mit meiner Minolta XG-9 und Diakunstlichtfilmen bewaffnet fuhr ich mit meinen beiden Begleitern nachmittags nach Hannover. Durchkommen und Parken ging erstaunlich gut und ein Parkplatz in der Nähe des Stadions war auch unser. Das Wetter war gut, nicht zu warm. Nach dem Ankommen blieb uns noch lange Zeit bis zum angekündigten Einlass. Nachdem es endlich so weit war (meine Kamera kam problemlos mit durch) konnten wir uns eine gute Position im Innenraum sichern. Leicht links und in einer Entfernung, aus der man die gesamte Bühne mit den Lichteffekten sehen, aber auch noch die Musiker gut erkennen konnte. Nun begann das Warten im Stadion. Da wir zu dritt waren, konnte immer mal jemand los und was zu trinken holen – oder selbiges wieder „wegbringen“, ohne dass der Platz aufgegeben werden musste.
Endlich war es soweit. Die Musiker kamen nach und nach auf die Bühne und es waren die ersten Töne zu hören, die durch das Stadion gingen, das Publikum wurde laut und bejubelte frenetisch den Beginn mit Wrights Keyboard und schließlich Gilmours Gitarre zu ‚Shine On‘. Es war noch recht hell, die Projektion auf Mr. Screen waren zunächst noch schlecht zu sehen. Aber die anderen Lichter waren so stark, dass sie auch trotz der Helligkeit so kurz nach der Mittsommernacht recht gut rüberkamen. Der Opener ‚Shine On‘ war magisch, die Lightshow dazu ebenfalls. Total beeindruckend die vom Bühnendach herabhängenden vier Lichtboliden, die oft ihre Positionen in einer Leichtigkeit in alle Richtungen wechselten – rauf – runter – links – rechts – vor und zurück, das sah gigantisch aus. Genialer Übergang zu ‚Signs Of Life‘, die Animationen auf der Leinwand, dazu Bässe, die einem den ganzen Körper vibrieren ließen. Im folgenden ‚Learning To Fly‘ toll der Part, in dem David von unten angestrahlt singt und auf der Leinwand der Start des Flugzeuges zu sehen ist und dann der „Geist“ über das Publikum schwebte. Aus heutiger Sicht sahen die Umrisse ein bisschen wie die Debitoren in Harry Potter aus – Pink Floyd waren schon immer der Zeit voraus. Das ganze neue Album kam live richtig gut rüber, viel rauer, intensiver, mit immensem Druck und tollem Sound, so auch bei ‚Yet Another Movie‘. Hier bekam man zur tollen Musik weitere Vorgeschmäcker, was die heutige Lightshow noch zu bieten hat. ‚Sorrow‘ ein weiteres langes Sound-Highlight mit Gilmours genialem Gitarrenspiel. Intensiv, fast etwas bedrohlich – nicht nur durch die Bilder auf der Leinwand und den Feuerfontänen auf der Bühne, sondern auch musikalisch war ‚The Dogs Of War‘. Zu ‚On The Turning Away‘ brannten dann eine Menge Feuerzeuge im Publikum, eine tolle Stimmung, tolle Gilmour-Soli, mein damaliger Favorit des Albums.
Nach der Pause die Eröffnung mit ‚One Of These Days‘ ein weiterer Hammer, das wummernde Bassspiel von Guy Pratt und Gilmours Pedal Steel Guitar – großartig. Und zur Krönung des Songs trat das Schwein aus der Deckung der Bühne und schwebte über den Köpfen des Publikums vor der rechten Bühnenhälfte, blickte mit den leuchtenden Augen grimmig in die Stadionrunde, bevor es wieder rücklings in der Bühne verschwand. Bei ‚Time‘ konnte ich die mir bisher nur von Fotos bekannten dazugehörigen Uhrenfilme erstmals live erleben und im nachfolgenden ‚On The Run‘ den neuen Film mit dem Bett in den Gängen mit abschließendem Flug über das Publikum und der heftigen „Explosion“ an der Bühne. Fast ein Wunder, dass da nichts passiert ist. Nach so viel Power war ‚The Great Gig In The Sky‘ vom Tempo eine kleine Ruhepause, aber auch eine geniale Darbietung des Songs, die mit den Bildern auf der Leinwand großartig untermalt war. Ein weiterer Höhepunkt mit den genialen Sängerinnen, Ricks phantastisches Piano und Davids Steelguitar. Ruhiger dann auch ‚Wish You Were Here‘ mit lautem Begleitgesang des Publikums und wundervoller Beleuchtung. ‚Welcome To The Machine‘ empfand ich als sehr eindringlich und das folgende ‚Us And Them‘ war sowieso eines meiner Lieblingstücke von Dark Side – total begeisternde Melodien mit der filmischen Untermalung. ‚Money‘ in der absoluten Monsterversion, die wechselnden Parts von Gesang, Instrumenten im Schlussteil, ich hätte mir vorher nicht vorstellen können, wie man dieses Stück auf 12 Minuten bringen könnte. Der anschließende Hit ‚Another Brick…‘ mit Gilmours Soli durfte sicherlich nicht fehlen. Aber das folgende ‚Comfortably Numb‘ war eine totale Offenbarung – Gilmours länger werdende, wahnsinnige Soli, der Gesangswechsel zwischen David und Rick, die Lightshow und als krönender visueller Abschluss die hinter den Musikern hochfahrende und sich wie eine Blume öffnende, drehende Spiegelkugel, die sich nach dem Song wieder schloss und verschwand. Die Zugabe ‚One Slip‘ vervollständigte das neue Album (lediglich ‚Terminal Frost‘ fehlte). Zum Abschluss mit den kurzen Gitarrenriffs und den Pausen dazwischen kündigte sich ‚Run Like Hell‘ an, dass sich dann zu einem wahren Sound- und Lichtgewitter entwickelte, ein atemloses Finale mit Pyrofontänen auf der Bühne und zum Abschluss um die Leinwand. Wer weit vorne stand dürfte es ziemlich warm gehabt haben.
Die verwendete Lightshow war für mich überwältigend. Was Pink Floyd mit den steuerbaren Leuchten um die Leinwand und den darauf projizierten Filmen, den am Bühnendach hängenden und umherfahrenden Leuchteinheiten, den verschiedenen Lasereffekten, den aus dem Bühnenboden fahrenden, dabei etwas an R2D2 erinnernden Leuchteinheiten und den hunderten von beweglichen und verschiedenartig gesteuerten Scheinwerfern vor der Bühne, sowie den pyrotechnischen und sonstigen Effekten im Einklang mit der Musik boten, war einmalig und vorher fernab von jeglicher meiner Vorstellungen. Okay, auf Bildern hatte man schon einen kleinen Vorgeschmack bekommen. Dies jedoch zusammen mit der Musik live zu erleben war wie eine Offenbarung. Etwas unerwartet war für mich, dass Guy Pratt sich zu seinem Bassspiel teilweise fast tänzerisch bewegte. Dies wurde aber bei weitem von Scott Page überboten, der doch teils recht „flippig“ und ausgelassen seine Saxophone und auch die Gitarre bespielte.
Nach drei Stunden (inkl. Pause) und dem frenetisch bejubelten langen Abschied der Band, einem perfekten Zusammenspiel aus überwältigender Musik, tollem Sound und phantastischen visuellen Effekten, blieb ich völlig beeindruckt, fast mit offenem Mund zurück. So dürfte es auch vielen anderen gegangen sein. Das gerade erlebte klang in mir noch lange nach. An unsere Heimfahrt kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern.
Zuhause hatte ich am nächsten Tag noch darüber nachgedacht zu einem der Konzerte nach Dortmund zu fahren, um das Ganze auch noch einmal in der Hallenatmosphäre, ohne anfängliches Tageslicht, zu erleben. Letztlich weiß ich nicht mehr, was mich damals eigentlich davon abgehalten hatte.
Leider hatte ich mich mit einem Diafilm zu wenig ausgestattet, so dass meine letzten Fotos beim ersten ‚Comfortably Numb‘ Solo endeten. Der damalige Freund meiner Schwester hat auch von dem Rest der Show noch Bilder machen können. Leider hatte ich nach deren Trennung lange keinen Kontakt mehr zu ihm. Als ich ihn später einmal zufällig traf und danach fragte, konnte er mir nicht mehr sagen, ob und wo er sie noch hatte … das häufige Betrachten meiner Dias hielt meine Erinnerungen an das Konzert jedenfalls wach und vertiefte sie.
Von ein paar der Dias hatte ich Abzüge machen lassen und jetzt mal endlich eingescannt. Diese stelle ich hier gerne zur Verfügung. Die restlichen müsste ich noch digitalisieren lassen. Bei einigen Hundert Dias von allen meinen Konzerten allerdings auch ein ordentlicher Kostenfaktor und noch ein Projekt für später.
Berichte zur Tour gab es einige im deutschen Fernsehen, z.B. bei RTL (Rock TL) ca. 12 Minuten und in der ZDF-Jugendsendung Doppelpunkt als „Starprotrait“. Bei YouTube zu sehen.
Konzert-Statistik:
- Tournee: A Momentary Lapse Of Reason
- Termin: 25. Juni 1988, Samstag
- Spielstätte: Niedersachenstadion
- Plätze: 60.000
- Adresse:
- Ticketpreise: 46 DM
- Einlass: 16 Uhr | Beginn: 21 Uhr
Pink Floyd:
- David Gilmour: Guitars, Vocals
- Nick Mason: Drums, Percussion
- Rick Wright: Keyboards, Vocals
With:
- Jon Carin: Keyboards, Vocals
- Tim Renwick: Guitars, Backing Vocals
- Guy Pratt: Bass, Vocals
- Gary Wallis: Percussion, Keyboard, Backing Vocals
- Scott Page: Saxofon, Guitar
- Margaret Taylor: Backing vocals
- Durga McBroom: Backing vocals
- Rachel Fury: Backing vocals
Setlist:
Set 1:
- Shine On You Crazy Diamond (Parts 1–5)
- Signs Of Life
- Learning To Fly
- Yet Another Movie
- Around and Around
- Sorrow
- Dogs Of War
- On The Turning Away
Set 2:
- One Of These Days
- Time
- On The Run
- The Great Gig In The Sky
- Wish You Were Here
- Welcome To The Machine
- Us And Them
- Money
- Another Brick In The Wall (Part 2)
- Comfortably Numb
Zugaben:
- One Slip
- Run Like Hell












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Vielen DANK, Thomas! So geile Fotos, endlich gute Bilder von diesen phänomenalen Show!