Roger Waters musste das »Pros and Cons« Konzert in der Westfalenhalle in Dortmund absagen

Von Thomas Pankow

Ich weiß nicht mehr ganz genau, wann die Konzerte von Roger Waters zu seiner Pros And Cons‘ Tour angekündigt wurden, ich glaube noch vor der Veröffentlichung des Albums Anfang Mai 1984. Es muss aber im Frühjahr 1984 gewesen sein. Ich erinnere mich noch gut an eine Anzeige im Musikexpress mit dem Zusatztext „From the Creator of the Wall“. Ich bestellte mir 2 Karten für das angekündigte Konzert am 29. Juni 1984 in der Westfalenhalle in Dortmund über das Veranstaltungsbüro Klaus Goik – wie auch schon gut 3 Jahre zuvor für die Wall-Show.

Diesmal betrug die Wartezeit nur einige Wochen – also nicht so lang. Zuvor konnte ich noch David Gilmours Solokonzert am 19. April im CCH in Hamburg genießen.

Mitte April kaufte ich mir die Maxisingle von ‚The Pros And Cons Of Hitchhiking‘ – erst mal recht gewöhnungsbedürftig wie ich fand. In die dann im Mai erschiene LP musste ich mich zum Teil erst mal reinhören, einige Songs fand ich aber durchaus stark und ich habe mir das Album oft angehört. Auf jeden Fall wartete ich mit Spannung auf das Konzert. Die Wall-Shows vom Februar 1981 waren mir noch in bester Erinnerung.

PROS AND CONS SHOWS IN FRANKFURT & DORTMUND ABGESAGT

An besagtem Samstag machte ich mich mit meiner Schwester Dagmar, die mich schon zum ersten Wall-Konzert nach Dortmund begleitet hatte, kurz nach Mittag mit dem Zug auf den Weg nach Dortmund. Erfreulicherweise auch jetzt immer noch dank „Karnickelpass“ für die Hälfte des Fahrpreises. Als wir am frühen Abend dann an der Westfalenhalle ankamen, war der Vorplatz recht leer. Einige Menschen, etwas unschlüssig wirkend, standen herum. Nach einiger Zeit wurde uns langsam klar, dass hier irgendetwas nicht stimmen konnte. Irgendjemand hatte dann die Info, dass das Konzert abgesagt ist. Ich mochte es gar nicht glauben, aber das half leider nichts. Wir mussten mit unseren ungebrauchten Karten also wieder viel zu früh die Heimreise antreten. Unsere Enttäuschung war groß. So etwas hatten wir bislang nur einmal erlebt, als etwa 4 Jahre zuvor die Scorpions in Lüneburg in der Nordlandhalle auftreten sollten. Auch damals standen wir mit Karten in der Hand vor der Halle – allerdings mit uns noch viel mehr Konzertbesucher als heute.

Einige Tage nach dem ausgefallenen Konzert schrieb ich einen Brief an das Veranstaltungsbüro und reklamierte die Kosten für die Karten und unsere Bahnfahrkarten. Darauf bekam ich einen Verrechnungsscheck für die Karten und einen Brief, in dem mir erklärt wurde, dass das Konzert rechtzeitig abgesagt worden sei und Kartenbesteller direkt informiert worden seien (was definitiv nicht stimmte). Als Ersatz wurde mir als Kulanz Freikarten für ein Chris de Burgh Konzert oder ein Mike Oldfield Konzert angeboten. Dies Angebot hatte ich allerdings nicht wahrgenommen, da die beiden damals nicht auf meiner „Favoritenliste“ standen.

Die Konzertkarten hatte ich nicht zurückschicken müssen und habe sie als – zugegebenermaßen traurige – Erinnerung immer noch. Beneidenswert sind alle, die die Gelegenheit hatten ein Konzert der Tour zu sehen.

Konzert-Statistik:

  • Tour: Pros And Cons Europa-Tour 1984
  • Termin: 29.6.1984, Freitag
  • Veranstalter: MAMA Concerts
  • Spielstätte: Westfalenhalle
  • Besucher: abgesagt wegen mangelnden Ticketverkauf
  • Adresse: Strobelallee 45, Dortmund
  • Tickets: 30 DM
  • Einlass: 19:00 Uhr | Showtime: 20 Uhr

Band:

  • Roger Waters: Gesang, Gitarre, Bass Guitar
  • Eric Clapton: Gitarre
  • Mel Collins: Saxophon
  • Michael Kamen: Keyboards
  • Chris Stainton: Keyboards, Bass
  • Andy Newmark: Schlagzeug
  • Tim Renwick: Gitarre, Bass
  • Doreen Chanter: Gesang
  • Katie Kisson: Gesang

All kinds of Waters

Is This The Life We Really Want? [2 LP] [Vinyl LP]

Price: 34,99 €

1 used & new available from 34,99 €

Mit deiner Bestellung unterstützt du dieses Kleinod. Pulse & Spirit bedankt sich herzlich.

11 Antworten

  1. Werner Werner sagt:

    VIELEN DANK, Thomas. Sehr geil, deine Geschichte inkl. Ticket und Schriftverkehr hier auszustellen!

    Es bleibt die Frage, woran das damals scheiterte! Da hast du Eric Clapton in deiner Band und trotzdem hilft dir das nicht, ausreichend Tickets für Frankfurt und Dortmund zu verkaufen.

    • Avatar Thomas P. sagt:

      Vielleicht war Kartenvorverkaufsstart und Konzerttermin zu nah beieinander. Und vielleicht hätte Roger sich früher und stärker öffentlich als Pink Floyd-Mitglied hervortun oder eine entsprechende Werbekampagne starten müssen. Wenn ich früher jemanden mit Namen der Bandmitglieder konfrontiert habe wusste niemand von wem ich spreche.

  2. Avatar Tobias sagt:

    Oldfield, mit u.a. Simon Phillips in der Band?
    Das hätte ich ja angenommen. (im Rückblick )

    • Avatar Thomas P. sagt:

      Ja, im Rückblick vielleicht. Aber es war damals einfach nicht meine Musik. Und ich glaube eine Rolle hatte auch gespielt, dass ich einfach recht frustriert war und ich fand, dass das verpasste nicht adäquat ersetzbar war. Vermutlich hätte ich Ersatztickets für das Konzert in Zürich oder Paris angenommen 😉

  3. Avatar Dietrich sagt:

    Ich erinnere mich, wie wir die Karten kaufen wollten. Wenn ich diese Geschichte hier lese wird mir klar, dass wir ja Glück hatten und man uns bei Heinersdorff in Düsseldorf beim beabsichtigten Kauf sagte, es sei abgesagt. Warum genau, weiß ich bis heute nicht. Wahrscheinlich waren die Kartenverkäufe zu gering. Nach allem, was ich gelesen habe, glaubte Roger Waters damals noch, dass ihm die komplette Floydgemeinde folgen würde und er als Mr. Pink Floyd einfach weiter machen könne. Er soll fassungslos gewesen sein, als das nicht passierte und er vor halb vollen Hallen spielen sollte… Ich las das in irgendeinem Gespräch über Waters. Ein Bekannter soll ihm gesagt haben, dass Pink Floyd schon lange viel größer sei als er…

    Ich vermute immer noch, dass die Einschätzung, die anderen nicht zu brauchen, die größte Fehleinschätzung seines Lebens war. Obwohl es sich bereits bei den Verkaufszahlen von The Final Cut abzeichnete, dass es allein nicht funktionierte. Gilmour sagte mal, Waters sei noch nie erfolgreich gewesen, wenn er die volle Kontrolle über ein Projekt hatte…

  4. Avatar Dietrich sagt:

    PS:
    Die Platte gefiel mir damals sehr und die Gitarre empfand ich schon früh als deutlich zu laut. Gehört habe ich sie nun ewig nicht mehr. DAS Solowerk für mich ist Amused To Death. Irgendwie haben Jeff Beck, Patrick Leonard und andere Waters glauben lassen können, es sei ALLES von ihm. Das behauptete Waters nämlich auf eine Frage nach dem Einfluss von Jeff Beck…

    Die Logik von Herrn Waters soll ja sein, dass, wenn jemand einen Vorschlag macht, den er gut findet, er sich sofort als Autor sieht: denn wenn er es gut findet sei es seine Idee. Ich weiß gar nicht mehr wo ich das gelesen habe. Mit Wish You Were Here soll das begonnen haben, dass er die Credits zu seinem Vorteil zu beeinflussen suchte.

    Wo ich gerade so schön am quasseln bin:
    In dem Buch von Alan Dister, Jacques Leblanc und Udo Whorle über Pink Floyd, gibt es ein längeres Interview mit einem, dem Foto nach, sehr entspannten David Gilmour. Es geht um Animals. Er wird darauf angesprochen, dass sein kompositorischer Anteil wohl kontinuierlich zurück ginge. Bei Animals sei ja nur noch die Mitautorenschaft bei einem Stück erwähnt. Er erwiderte, dass das gar nicht so sei. Sein Anteil an Dark Side sei relativ gering gewesen. Bei WYWH gingen von der Musik 40% auf sein Konto. Bei Animals „satte 50%, die ganze erste Seite ist von mir“. Da staunte ich in den 80ern aber nicht schlecht. The Wall war damals „zu neu“ für das Buch und nur in einem Artikel hinten angehängt beschrieben.

  5. Avatar Oliver sagt:

    Das Album gefällt mir ausgesprochen gut, vor allem da es musikalisch auf einer der beiden Ideen parallel zu The Wall von Waters in die Band gebracht wurde.
    Das musikalische Grundthema der Melodien ist bei beiden Alben identisch. The Wall verwendet den 4/4 Takt und Pros&Cons den 6/8 bzw. 3/4 Walzertakt.
    Das ist schon sehr mutig, diesen Takt bis auf den Titelsong durchgehend zu verwenden.
    Daher ist das Album auch für viele zunächst nicht eingängig, bzw. sie empfinden es als „langweilig“.
    Gut für den kommerziellen Erfolg, das sich die Band für The Wall entschieden hat.

  6. Avatar Richard Fischer sagt:

    1984: Roger Waters Solo Album TPACOH – für mich damals ein heiß ersehntes, superspannendes (schon allein auch wegen der Aufmachung), irgendwie surreales Werk und sooooo anders als „About Face“ vom damals „Noch-Kollegen“.

    Mit viel Mühe und noch viel mehr Glück konnte ich Karten für die Show in Zürich am 3. Juli ‘84 ergattern. Beim Eintritt in das damals noch alte Hallenstadion wurden uns die Karten abgenommen (freie Sitzwahl). Bis heute bin ich darüber verärgert, hätte ich die Karten doch so gerne als Erinnerungsstück behalten …die Anhalterin auf dem Ticket war sogar reliefiert (!!).

    Das Konzertposter vom abgesagten Frankfurt Konzert habe ich dann später in meinen Fundus aufnehmen können. Eine Rarität.
    In drei Tagen vor 42 Jahren, viel passiert, seitdem.

    • Werner Werner sagt:

      Das mit dem Ticket von Zürich ist mehr als ärgerlich! Versteh dich voll, Richard.
      Mir ging es dann 1994 in Basel so, von beiden Floyd Shows im Jakob Stadion wurden die Tickets eingesammelt!
      Wtf …

  7. Avatar Michael sagt:

    Ich hatte zwar keine Karte für RW aber für Mike Oldfield in der Westfalenhalle. Es war genial!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert